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Kompressionsdruck LT85D

Alles über Lanz-Bulldog, Halb- und Volldiesel. Beiträge ab 2010.

Kompressionsdruck LT85D

Beitragvon Actros » 03.10.2014, 20:44

Hallo,
ich bin neu hier im Forum. Seit letzter Woche bin ich stolzer Besitzer eines Lanz Alldog 1305, Baujahr 1956. Der Alldog wurde schon einmal restauriert (mindestens 10 Jahre her). Leider lauft der Motor nicht. Ich habe alle Beiträge zum Alldog und LANZ-TWN-Motor gelesen die ich finden konnte. Sehr interessant und ein wirklich perfektes Forum, mit vielen Interessanten Beiträgen. Vielleicht kann mir jemand noch ein paar Tipps geben.
Nach meinen Recherchen (dank diesem Forum und einem Beitrag im Traktorhof) handelt es sich beim Motor um den LANZ-TWN LT85D.
Die Glühkerze sitzt 90° zum Kolben also nicht schräg.
Der Anlasser zieht gut durch. Die Glühkerze habe ich ausgebaut und geschaut ob sie glüht - das tat sie. Ich habe mir dann auch gleich die Finger verbrannt als ich neben dem Batteriekasten schauen wollte was da qualmt - somit hatte ich auch Bekanntschaft mit dem Vorwiderstand gemacht. Auch langes Vorglühen und orgeln kann den Alltag nicht zum schnurren bewegen. Wenn ich den Ansaugschlauch vom Luftansaugstutzen entferne und ein wenig Silikonspray vor dem Ansaugrohr verneble springt er kurz an, geht dann aber sofort wieder aus wenn der Sprühnebel weg ist. Dann habe ich die Einspritzdüse ausgebaut und mit einer fremden Leitung wieder angeschlossen, damit ich die originale nicht verbiegen musste, entlüftet und den Motor orgeln lassen. Nach dem zweiten Entlüften kam auch Diesel aus der Düse, fein zerstäubt, scheinbar aus allen Löchern. Da ich kein Dieselexperte bin weiß ich jetzt nicht ob das Spritzbild ok ist. Für mich sah es etwas lasch aus.
Dann habe ich mir noch ein Kompressionsmessgerät besorgt.
Kompressionsdruck ist 15bar. Für einen Diesel eher wenig (habe ich gelesen) - hat jemand von Euch schon einmal den Kompressionsdruck von einem funktionierenden LT85D gemessen?

Gruß
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Re: Kompressionsdruck LT85D

Beitragvon Rohoelzuender » 04.10.2014, 07:38

Hallo,

Herzlichen Glückwunsch zum Alldog!

Je nach Motorausführung liegt der Kompressionsdruck beim LT85D bei ca. 25 bis 30 bar.

Gruß Gordon
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Re: Kompressionsdruck LT85D

Beitragvon Actros » 04.10.2014, 08:01

Hallo,

das hört sich ja nicht gut an. Denkst Du, dass die niedrige Kompression das Problem sein kann.
Oder müsste er nicht weiterlaufen wenn er einmal mit Hilfe von Benzin oder Startpilot angelaufen ist?

Gruß
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Re: Kompressionsdruck LT85D

Beitragvon engineer » 04.10.2014, 14:12

Hallo, ich hatte mal den Fall daß mein neuerworbener Alldog nur lief solang man Benzin ins Ansaugrohr spritzte und vorglühte. Die Einspritzung und Vorglühung arbeiteten einwandfrei sodaß ich mir das zunächst nicht erklären konnte.
Zufällig habe ich bei abgebauten Ansaugstutzen und obenstehenden Kolben einen Blick auf das Pleuel werfen können welches merkwürdig gewellt war!
Nach Abnahme des Zylinderkopfes stellte ich fest daß der Kolben bereits 8 mm vor seinem OT wieder kehrt machte!
Die weitere Zerlegung zeigte dann daß jemand versucht hatte das ehemals verbogene Pleuel durch Schmieden oder vielleicht nur Schlagen wieder in Form zu bringen. Nur glich es danach einer Wellenlinie und war somit zu kurz geworden.
Immerhin wurde noch ein neuer Kolben verbaut aber der Motor lief so nie wieder.

Vielleicht ist auch dein Pleuel zumindest leicht verbogen.Ich würde auf jeden Fall den Kopf abbauen und wenn Kolben,Ringe und Laufbuchse OK sind diese Möglichkeit ins Auge fassen. Wenn dir jemand das Spaltmaß mitteilt kannst du ja leicht nachmessen.Ich habe leider keine Daten dazu.

Grüße
Thomas
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Re: Kompressionsdruck LT85D

Beitragvon Rohoelzuender » 04.10.2014, 16:39

Hallo,

In der OT- Stellung steht der Kolben bündig mit der Zylinderoberkante oder 0,25mm tiefer. Je nach Motorausführung.

Gruß Gordon
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Re: Kompressionsdruck LT85D

Beitragvon Actros » 04.10.2014, 20:05

Hallo,

danke für die Tipps. Irgendwie scheue ich mich noch den Kopf runter zu machen.
Ich bin (meist) der Meinung, dass nicht alles besser wird wenn man es zerlegt.
Ich werde erst einmal die Einspritzdüse prüfen lassen. Falls diese ok ist mache ich den Kopf runter.
Das wird ein bisschen dauern - ich halte Euch auf dem Laufenden.

Gruß
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Re: Kompressionsdruck LT85D

Beitragvon Actros » 08.10.2014, 18:13

Nun haben wir die Einspritzdüse abgedrückt. Am Drucktester tropft sie vor 120 bar sehr stark. Pumpt man schnell, spritzt sie, denke ich, korrekt. ich glaube jedoch, dass die Einspritzpumpe weniger fördert und deshalb dieses Spritzbild nicht zustande kommt. Ich hatte die Düse ja ausgeschraubt und mit einer Druckleitung an der Pumpe angeschlossen. Beim Drehen mit dem Starter war das Spritzbild viel lascher wie auf dem Tester. Kann natürlich auch sein, dass die Flanschpumpe noch was hat.
Ich suche jetzt erst einmal eine neue Einspritzdüse.
Weiß jemand eine Bezugsquelle für eine KCA30SD 2/13 (0430211010)?
Bis demnächst.

Gruß
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Re: Kompressionsdruck LT85D

Beitragvon Rohoelzuender » 09.10.2014, 08:45

Hallo,

Ganz so einfach ist die Sache beim TWN Diesel leider nicht. Da die Pumpe höchsten Belastungen ausgesetzt ist, wegen der hohen Drehzahl,sind oftmals auch die Lagerung der Rolle und weitere Komponenten der Pumpe nicht mehr in Ordnung. Wenn Du Pech hast ist durch Ölmangel im Regler durch nicht ordnungsgemäße Wartung die Nockenwelle eingelaufen. Kurz gesagt, wenn die Pumpe wieder ordentlich gemacht werden soll muss Sie komplett überholt werden. Wenn die Pumpe überholt wird muss der Regler wiederum an die "neue" Pumpe angepaßt werden, eine weitere Besondeheit des TWN Diesel.

Für Infos einfach mal eine PN an mich.

Gruß Gordon
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Re: Kompressionsdruck LT85D

Beitragvon Actros » 29.10.2014, 23:10

Hallo,

heute habe ich eine neue Einspritzdüse eingebaut. Ich hatte mir eine neue Düse bestellt und beim Bosch-Dienst in den Düsenstock einbauen und einstellen lassen. Das Spritzbild war nun perfekt aber leider lief der Alldog wieder nicht an.
Dann habe ich bemerkt, dass neben der Einspritzdüse Rauch aus dem Zylinderkopf kommt. Als ich Lecksuchspray auf die Stelle spritzte erkannte ich das Dilemma - der Kopf war gerissen. Deshalb wohl auch der niedrige Druck. Ich habe noch einen Ersatzmotor mit Lagerschaden. Also habe ich den Kopf von dem anderen Motor umgebaut. Zwar hat dieser eine schräge Glühkerzenbohrung aber sonst
scheint alles zu passen. Als ich den defekten Kopf abgenommen hatte bemerkte ich viele Marken im Kolben und im Kopf - da musste mal was reingekommen sein. Trotzdem habe ich den andern Kopf montiert. Danach die Kompression gemessen - unfassbar?! Immer noch unter 20 bar. Also Zylinder ausgebaut. Der Kolben hat auch Schäden an der Lauffläche, auch die Kolbenringen haben ein paar Riefen. Aber den größten Schock habe ich bekommen als ich das Pleuel genauer anschaute.
Es ist leicht verbogen - mit einem Winkel sieht man es deutlich. Thomas hatte recht - zumindest ein Teil der Ursache ist ein verbogenes Pleuel.
Zylinder und Kolben des anderen Motors sehen noch gut aus. Ich werde also diese Teile verwenden. Nun weis ich nur nicht was ich mit dem Pleuel machen soll - bei dem anderen Motor ist das untere Pleuellager fest. Ich werde wohl die Kurbelwelle ausbauen und entweder eine gebrauchte oder eine Firma, die das alte Peuel richten kann, suchen. Vielleicht würde der Motor auch mit dem verbogenen Pleuel laufen, wenn Zylinder, Zylinderkopf und Kolben wieder in Ordnung sind - gemessen habe ich den Abstand zwischen OT und Oberkante nicht, aber es war bestimmt nicht mehr als 1mm.

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Re: Kompressionsdruck LT85D

Beitragvon Rohoelzuender » 30.10.2014, 07:58

Hallo,

Das hört sich alles gar nicht mal so gut an! Suche Dir eine gute Ersatzkurbelwelle komplett mit gutem Pleuel. Achte dabei auch auf die Bohrung des Pleuellauges. Die ist oftmals auch nicht mehr rund. Wenn Du anfängst die Kurbelwelle auseinanderzubauen wirst Du feststellen,dass es die beiden Rollenlager die als Pleuellager fungieren, gar nicht mehr gibt. Ich habe zwar eine Adresse von einem Betrieb der diese Lager schon mal in Eigenregie als Einzelanfertigung komplett neu angefertigt hat, aber für den Preis kannst Du auch einen kompletten restaurierten Alldog kaufen, mit vollem Tank.

Beachte bei der Montage der Zylinderköpfe, dass diese unterschiedlich ausgeführt sind, bzw.sein können, nicht nur was die Glühkerzenaufnahme betrifft. Auch die Düsenaufnahme kann abweichen. Ganz wichtig: Denke an das Wärmeschutzplättchen zwischen Düse und Zylinderkopf, falls es bei Deiner Ausführung vorgesehen ist. Ich habe schon einige verglühte Düsen in der Hand gehabt. Die Ursache war oft ein fehlendes Wärmeschutzplättchen.

Über "leichte" Riefen seitlich am Kolben und über die Einschläge oben am Kolbenboden brauchst Du Dir keinen Kopf machen. Das ist in der Regel nicht weiter tragisch. Guck Dir aber die Kolbenringarretierstifte an. Wenn die soweit abgenutzt sind das sie kurz vor dem abreissen sind wird es gefährlich für den Motor.

Nun wünsche ich noch viel Freude mit dem kleinen Krachmacher. :)

Gruß Gordon
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Re: Kompressionsdruck LT85D

Beitragvon Actros » 30.10.2014, 14:29

Hallo Gordon,

danke für die Tipps. Ja, ich suche erst einmal ein Kurbelwelle. Eines macht mir noch Kopfzerbrechen - Aktuell ist die obere Ölleitung abgeschraubt. Die untere sitzt noch auf dem Kurbelgehäuse.
In der Ringöse sieht man schon den Ölstand bis zum Rand. Dann wollte ich die Funktion des Bosch-Ölers prüfen. Deshalb habe ich die Kurbelwelle mindestens 50 mal gedreht, ich dachte, dass nun wenigstens ein Tropfen Öl nachgefördert wird. Der Ölstand in der Ringöse schien unverändert. Waren das zu wenig Umdrehungen. Bein Zerlegen des Motors schien alles gut geschmiert.

Gruß
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Re: Kompressionsdruck LT85D

Beitragvon Rohoelzuender » 30.10.2014, 18:49

Hallo,

Ja, 50 Umdrehungen sind viel zu wenig. Vermutlich ist dann auch noch die Standgasölmenge zu gering, weil sich der Anschlag eingearbeitet hat. Das ist oft so, muss man dann nachjustieren. Am besten auf Vollgas stellen und dann drehen. Aber nicht am Motor, an der Ölpumpe. Den Motor generell nicht längere Zeit auf Standgas laufen lasen, wenn man nicht weis, ob der Anschlag für die Leerlaufmenge noch in Ordnung ist. Entweder abstellen oder den Handgashebl einen tucken schneller stellen. Generell sollen diese Motoren nicht lange im Standgas laufen, wegen unnötiger Ölansammlung im Auspuff.

Als ich meinen Alldog entlüftet habe habe ich vorne an die Ölpumpe eine Bohrmaschine gesetzt und mit ca. 2000 U/min laufen lassen. Bis das Öl oben am Zylinder ankam waren es gut und gerne 15 Minuten. Das entspricht rund 30.000 Umdrehungen der Ölpumpe, bei Vollgas! Also mit 50 Umdrehungen geht da nicht viel.

Genau so hat Lanz übrigens festgestellt, ob der beanstandete Schaden auf Kulanz erledigt werden konnte oder ob es ein Bedienungsfehler war. Durch abschrauben der Zylinderölleitung. Wenn nach dem entfernen der Hohlschraube das Motoröl in der Leitung stand war es ein technischer Fehler oder Verschleiß des Motors.

Das scheint soweit bei Dir also OK zu sein. Eine Überprüfung und eventuelle Neueinstellung des Ölers ist aber immer ratsam.

Gruß Gordon
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Re: Kompressionsdruck LT85D

Beitragvon Actros » 30.10.2014, 21:29

Hallo Gordon,

hast Du eine Anleitung zum justieren des Ölers - ich habe schon alles abgesurft auch die Bosch Datenbank - leider habe ich für diesen Öler keine Unterlagen gefunden.

Gruß
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Re: Kompressionsdruck LT85D

Beitragvon Rohoelzuender » 31.10.2014, 13:02

Hallo,

Du kannst mir die Ölpumpe zusenden. Ich kümmere mich darum. Allerdings bin ich momentan gesundheitlich angeschlagen, kann also dauern bis es fertig ist.

Gruß Gordon
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Re: Kompressionsdruck LT85D

Beitragvon Actros » 31.10.2014, 13:41

Hallo Gordon,

danke für das Angebot.
Gibt es keine Möglichkeit den Öler im eingebauten Zustand einzustellen?

Gruß
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