Titel

 

 

Lanz Halbdiesel D1706 Absterben während der Fahrt

Alles über Lanz-Bulldog, Halb- und Volldiesel. Beiträge ab 2010.

Lanz Halbdiesel D1706 Absterben während der Fahrt

Beitragvon Terhardt » 04.01.2018, 18:36

Hallo,

ich bin im vergangenen Herbst mehrmals längere 5 - 10 km und auch kürzere Strecken mit meinem frisch zugelassenem Lanz Halbdiesel D1706 gefahren. Immer wenn der Schlepper relativ warm war und er zwischen Halb- und Vollgas gefahren wurde kam es zu einem kurzen schnarrenden Geräusch und sofortigem Absterben des Motors. Ich konnte den Schlepper noch an den Straßenrand bewegen und nach wenigen Minuten ließ er sich wieder normal anpendeln, als wäre nichts gewesen.

Wer hat schon mal ein ähnliches Problem gehabt und wie ist es gelöst worden?

Vielen Dank im voraus für eure Antworten.

Freundliche Grüße

Klaus
Terhardt
Benutzer
 
Beiträge: 9
Registriert: 22.03.2017, 21:23

Re: Lanz Halbdiesel D1706 Absterben während der Fahrt

Beitragvon Micha » 04.01.2018, 20:43

Hallo,

ich tippe mal auf minimal Luft im Kraftstoffsystem. Hatte ich schon an Volldiesel und, so glaube ich, hat sich damals von alleine gelöst.
Micha
Benutzer
 
Beiträge: 63
Registriert: 03.02.2008, 21:30
Wohnort: Hessen

Re: Lanz Halbdiesel D1706 Absterben während der Fahrt

Beitragvon Rohoelzuender » 04.01.2018, 21:18

Hallo,

Ich würde mal die Entlüftungsschraube vom Zylinderkopf überprüfen bzw. eine neue mit neuem Dichtring montieren. Diese Entlüftungsschraube konnte sich verziehen/verbiegen, wenn der Motor zu heiß wurde, z.B. durch Kühlwassermangel oder durch ein verkalktes Kühlwassersystem, vor allem der Kühlwasserdurchgänge im Zylinderkopf. Der Motor blieb dann stehen, ohne das es zu größeren Schäden kommen konnte. Man sollte also auf jeden Fall dann den Zylinderkopf abbauen, von Kesselstein reinigen und dabei gleich die Dichtfläche so leicht überdrehen, dass eine rauhe Oberfläche entsteht. Wenn der Kopf innen so aussieht kann man sich vorstellen wie es um den Kühler steht....

Gruß Gordon
Rohoelzuender
Gold
 
Beiträge: 3015
Registriert: 08.12.2007, 13:26
Wohnort: 34289 Oberelsungen

Re: Lanz Halbdiesel D1706 Absterben während der Fahrt

Beitragvon Terhardt » 04.01.2018, 22:49

Hallo Gordon,

vielen Dank für den Ratschlag. Ich werde das auf jeden Fall ausprobieren.

@ Micha: Luft im Kraftstoffsystem kann ich mir nicht vorstellen. Das Kraftstoffsystem ist komplett entlüftet und die Pumpe ebenfalls durchgesehen worden. Trotzdem Danke für deine Antwort.

Freundliche Grüße
Klaus
Terhardt
Benutzer
 
Beiträge: 9
Registriert: 22.03.2017, 21:23

Re: Lanz Halbdiesel D1706 Absterben während der Fahrt

Beitragvon bulli1706 » 06.01.2018, 11:01

Hallo Klaus.
Dein Problem ist durch Gordons Tipp mit größter Wahrscheinlichkeit gelöst und hat auch eine Erklärung für das schnarrende Geräusch, das Du gehört hast.
Die Ursache trifft nur Bulldogs, die mal ohne Frostschutzmittel betrieben wurden. Da ließ man früher nach der Arbeit das Kühlwasser aus Frostschutzgründen ab und ersetzte es vor dem Neustart durch neues heißes Wasser, um den Bulldog bei grimmiger Kälte leichter starten zu können. So ein Verhalten ist heute unverständlich; denn es gab schon Frostschutzmittel. Es wurde aber auch durch den unnützen Ablass Hahn unter dem Bulldog und die Gedankenlosigkeit einiger Besitzer begünstigt. Denn mit jeder neuen Kühlwasserfüllung kam auch die Kalkausscheidung mit in den Kühlkreislauf. Weil es früher auch klügere Besitzer gab, kühlen heute baugleiche Oldtimer-Bulldogs sehr unterschiedlich.
Deine Düse und die Zündkerze werden im Zylinderkopf von Kühlwasser umspült und gekühlt, wenn die Kanäle frei und die Wände sauber sind. Andernfalls überhitzt die Düse und klemmt die Düsennadel. Dadurch kommt es zum Schnarren der Druckventile und zum Motorstillstand wegen Spritmangel.
Du hast das richtig beschrieben und Gordon hat richtig getippt.
Im Werkstatthandbuch wird der Ausbau vom Zylinderkopf und die Beseitigung der Ablagerung beschrieben. Wenn Du beim Lösen der Kronenmutter für die Zündkerzenhalterung Probleme bekommst, melde Dich bitte hier rechtzeitig.
Alte Schmiedemeister kannten einen simplen Trick.
Schönen Gruß von Oskar
kiek nich int Muuslock ... kiek nah de Sünn !
Benutzeravatar
bulli1706
Bronze
 
Beiträge: 337
Registriert: 17.12.2007, 23:21
Wohnort: 24855 Gammellund

Re: Lanz Halbdiesel D1706 Absterben während der Fahrt

Beitragvon Philipp Hügel » 06.01.2018, 21:16

Hallo Klaus,

ich kenne einige Bulldogs, die trotz Undichtigkeit am Kopf noch gelaufen sind. Das ist natürlich unschön, man erkennt das aber meist von außen. Dass der Motor stehen bleibt, wenn es am Kopf abbläßt kenne ich so nicht.
Dass aber, wie von Oskar beschrieben, die Düsennadel klemmen kann, wenn die Kühlkanäle im Kopf zu sind ist ein bekanntes Problem das bei dir passen könnte.

Ich hatte mal einen Bulldog in der Kur, der mit ähnlichen Symptomen stehen geblieben ist.Grund war hier aber nicht Überhitzung, sondern letztlich der Kraftstoff. Der Besitzer hatte schon die Pumpe überholt, die Probleme waren aber geblieben (schlechter Start, Regelaussetzer, Stehenbleiben). Dann kam der Bulldog zu mir.

Es hat ne Weile gedauert, bis ich kapiert hatte was los war: Pumpe, Entlastungsventil und Düsennadel waren durch Harzbildung schwergängig geworden. Der dem Kraftstoff zugesetzte Biodieselanteil altert schnell, Buntmetall und Sauerstoff unterstützen die Alterung zusätzlich. Bei meinem Patienten lag dazu noch ein Stück vom Messingsieb im Tank, das war so zugewachsen, dass man es kaum mehr erkannt hat.

Wird dein Bulldog selten bewegt? Lässt er sich gut vorpumpen und starten?
Wie sieht es im Tank aus? Ist die Tankdeckeldichtung noch OK? Gibt es Ablagerungen an den Tankinnenwänden? Sieb noch i.O.?

Viele Grüße
Philipp

P.S.: Oskar, der Trick zum Öffnen der Kronenmutter würde mich sehr interessieren!
Benutzeravatar
Philipp Hügel
Bronze
 
Beiträge: 297
Registriert: 22.08.2008, 12:34
Wohnort: 76227 Karlsruhe

Re: Lanz Halbdiesel D1706 Absterben während der Fahrt

Beitragvon bulli1706 » 07.01.2018, 10:19

Moin Philipp
Den Trick hab ich selber noch nicht anwenden können aber einem tüchtigen Dorfschmied abgefragt.
Später erhielt ich über mein Kontaktformular die gleiche Anfrage wie von Dir von einem belgischen D1706-Besitzer. Das war die Gelegenheit, ohne eigenes Risiko den Schmied beim Wort zu nehmen. Die Erfolgsmeldung mit Bildern kam postwendend.
Einen passenden Schlüssel für die Kronenmutter hast Du sicher schon. Sonst baust Du den im Werkstatthandbuch gezeigten nach. Der Zylinderkopf bleibt am Schlepper montiert und wird mit Propangas-Flamme erhitzt und mit einem Schwall kalt Wasser abgeschreckt.
Nach so einer Behandlung hat jedenfalls die belgische Kronenmutter ihren hartnäckigen Widerstand aufgegeben und sich normal rausdrehen lassen.
Schönen Gruß von Oskar :|
kiek nich int Muuslock ... kiek nah de Sünn !
Benutzeravatar
bulli1706
Bronze
 
Beiträge: 337
Registriert: 17.12.2007, 23:21
Wohnort: 24855 Gammellund

Re: Lanz Halbdiesel D1706 Absterben während der Fahrt

Beitragvon Rohoelzuender » 07.01.2018, 11:05

Hallo,

Die Hinweise mit der sauberen Kraftstoffanlage sind sehr gut. Nach rund 10 jähriger Standzeit war bei unserem 17 er z.B. der Ablauf vom Benzintank zum Kraftstoffhahn dicht. Dieser musste aufgebohrt werden. Das Benzin im Benzintank lasse ich jetzt jedes Jahr ab und ersetze es durch neues. Dem Diesel habe ich ein Anti-Bakterien Additiv bei gemischt. Seitdem, alles Paletti.

Auch der Hinweis von Oskar die Kronenmutter am angebauten Zylinderkopf zu lösen ist sehr sinnvoll. Leider muss dazu der vordere Tragblock samt Vorderachse mit Werkzeugkasten und Öltank entfernt werden. So schreibt es ja eigentlich auch das Lanz Werkstatthandbuch vor, um an den Zylinderkopf zu kommen. Wenn man aber nicht vor hat auch Kolben und Pleuel auszubauen, wie es bei Dir der Fall sein wird, kann man den Zylinderkopf auch ausbauen ohne andere Teile abzuschrauben. Es ist zwar etwas fummelig durch die seitliche Klappe, aber es geht.

Um die Kronenmutter zu lösen ist wie Oskar schreibt Hitze notwendig und ich muss bei ausgebauten Kopf noch hinzufügen, ein guter Schraubstock. Den Trick mit dem Wasser habe ich noch nicht ausprobiert, hört sich aber gut an. :) Das Werkzeug zum lösen der Kronenmutter kann man sich aus einem Stück Flachstahl selber bauen oder bauen lassen. Es reicht dann auch das der Flachstahl zwischen zwei Kronenmutter Zapfen sitzt, möglichst stramm, ohne Luft. Ich müsste jetzt mal bei unserem Werkzeug nachmessen. Glaube 10 oder sogar 12 mm Flachstahl ist es. An den Flachstahl schweißt man dann einfach stabiles Rundrohr oder auch Vierkantrohr. Der Hebel darf ruhig etwas länger sein als beim original Werkzeug. Ich habe mich damals für 1 Meter entschieden, der von zwei Mann bedient wird. :wink: Fuktionierte überraschenderweise gut. Im Kopf sah es böse aus. Durch die Überhitzung hatte sich die Entlüfterschraube verbogen und der Motor kam zum Stillstand und ließ sich auch nicht wieder starten. Damals vor rund 20 Jahren gab es den Zündkerzen Einsatz noch nicht neu als Nachfertigung. Schöne Arbeit das Ding innen zu reinigen :oops: . Vor dem Einbau empfehle ich das Gewinde mit Kupferpaste satt einzustreichen, damit sich die Mutter beim nächsten mal leichter lösen lässt. Natürlich auch nicht die neuen Gummidichtringe für die Wasserkanäle vergessen.

Gruß Gordon
Rohoelzuender
Gold
 
Beiträge: 3015
Registriert: 08.12.2007, 13:26
Wohnort: 34289 Oberelsungen


Zurück zu Lanz-Bulldog, Halb- und Volldiesel

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 1 Gast

cron