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D1306 HILFE

Alles über Lanz-Bulldog, Halb- und Volldiesel. Beiträge ab 2010.

D1306 HILFE

Beitragvon Mone01 » 01.08.2015, 11:37

Hallo und guten Tag, mein Name ist Daniel und ich wohne im schönen Odenwald in Südhessen !
Heute habe ich einen D1306 Tragschlepper mit TWN Motor aus einer Scheune abgeholt.....ist grün überlackiert, darunter aber in blau (Bj 57)
dort stand er seit 20 Jahren, nach dem der Vorbesitzer in auseinander genommen hat.....
Kolben samt Ringe kaputt (korrodiert), Pleuel sieht aber gut aus, ....lässt sich auch leicht drehen
Kopf innen auch soweit ok....
Die verrosteten Überreste des Nadellagers sind auch da.... soweit , so gut....
ABER: die Ölpumpe (denke ich zumindest....) vorne an der ESP fehlt.....Leitungen sind ab und der Öltank ist ab (aber dabei)
Gibt es irgendeine Möglichkeit, diese zu bekommen ???
Oder ist er wirklich tot ?
Danke für eure Hilfe

Gruß Daniel
Mone01
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Re: D1306 HILFE

Beitragvon Rohoelzuender » 01.08.2015, 15:55

Hallo Daniel,

Glückwunsch zum D1306! Ein schöner Schlepper. :)

Der TWN- Motor ist fast immer zu reparieren und das im Vergleich zu anderen Zweitaktdieselmotoren und auch Viertaktern auch für recht überschaubares Geld. Man kann jetzt natürlich spekukieren, warum die Ölpumpe mal abgebaut wurde. War es ein Defekt am Motor? Sollte die Ölpumpe nur überprüft werden? In der Regel hat Niemand die Ölpumpe ohne Grund demontiert und schon gar nicht den Zylinder sowie den Kolben. Das A und O bei Deinem Motor ist, dass das Pleuellager in Ordnung ist. Es besteht aus zwei Kegelrollenlagern, die nebeneinander im Pleuel sitzen. Das Nadellager ist keine große Sache. Es gibt neue Nadeln in allen Durchmessern zu kaufen und das Pleuellauge kann man auffräsen, wenn es oval sein sollte. Kolben mit Ringen und Kolbenbolzen gibt es wieder komplett neu nachgefertigt, den Zylinder entsprechend auffräsen und die eingestochene Ölnut nachfräsen kostet neben etwas Geld vor allem Geschick und Geduld. Aber machbar. Zurück zum Pleuellager. Ist dieses Defekt steht man vor dem Problem das es diese Größe nicht mehr gibt. Ich habe zwar eine Adresse von einem Mann der so ein Lager als Einteiliges Lager mal nachgefertigt hat und der Motor läuft auich prima damit, aber man kann sich leicht vorstellen, dass diese hochpräzise Arbeit und auch das Material nicht für eine Kiste Bier zu haben ist. In diesem Falle ist es ratsam ein gutes Triebwerk zu suchen, um dieses in Betrieb zu nehmen oder aus zwei Motoren einen zu bauen.

Ich vermute mal bei Deinem Motor, dass die Kolbenringarretierstifte den Dienst quittiert haben und es damit zur Zerstörung der Ringe an den Überstromkanälen gekommen ist. Wenn sich der Motor bei ausgerückter Kupplung von Hand durchdrehen läßt ohne das es an einer Stelle hakt oder merklich schwerer geht und sich das Pleuel nur auf der Kurbelwelle hin und her schieben läßt, nicht aber wackelt, ist das Pleuellager in Ordnung. Du faßt das Pleuel oben an und setzt dort die Kurbelwelle in Rotation, die Hand ist also quasie der Motorkolben :D . Wenn es beim drehen hakt kann es auch an den Kurbelwellenlager liegen, die gibt es noch neu zu kaufen. Wenn Du dem Motor was gutes tun willst kannst Du Pendelrollenlager in entsprechender Größe einbauen. Die gleichen die Bewegung einer eventuell leicht verbogenen Kurbelwelle aus. Ich habe diese bei meinem Alldog vorsichtshalber eingebaut, der Zeitlebens in der DDR ran mußte. Die Kurbelwellenlager "Made in DDR" habe ich sogar noch liegen. Es sind jetzt also die "dritten" Lager drin. Beim Bulli habe ich die günstigen Standardlager eingebaut, läuft auch damit prima. Wenn Du den Motor demontierst kannst Du die Kurbelwelle ja mal ausmessen, ob sie noch rund läuft.

Eine Ölpumpe bekommst Du ab und an beim Auktionshaus mit den vier Buchstaben oder bei deren Kleinanzeigenportal. Die Einstellung der Ölpumpe kann ich gerne übernehmen, wie auch den Check des Reglers mit Einspritzpumpe und Einspritzdüse. Vor allem Einspritzdüse und Einspritzpumpe sind oft überholungsbedürftig, weil Sie bei diesem Motor am obersten Leistungslimit arbeiten und gleichzeitig die Wartung zu "Lebzeiten" auf den Bauernhöfen sträflich vernachlässigt wurde. Im Hobbygebrauch bereitet das aber keine großen Sorgen. Was alles zur wichtigen Wartung zählt ist leicht und gut verständlich in der Betriebsanleitung geschrieben. Dazu nur zwei Stichworte: Regleröl und Auspuffkrümmereinigung! Nur Diesel und Motoröl nachtanken reicht bei diesem schönen Motor leider nicht aus. Sogar viele Vertragswerkstätten waren damals schlicht und einfach überfordert, spielte dieser Motor für damalige Verhätnisse doch in einer ganz anderen Lanz- Liga. Der Motor ist eine kleine Diva und möchte auch so behandelt werden. :D Kein Problem, wenn man weis worauf zu achten ist und es regelmässig macht.

Bei Fragen immer her damit. Über ein Bild würden wir uns auch freuen.

Ach so, Du brauchst für Deinen Motor die lastabhängige Ölpumpe. Du kannst auch eine vom Alldog, Bulli oder D1206 nehmen, sprich vom Motor LT 85 D (Deiner), E530 (Bulli) und vom E103 (D1206). Der Montageflansch ist gleich, die Ölmengen lassen sich einstellen.

Viel Spaß mit Deinem Bulldog! :fahrer:

Gruß Gordon
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Re: D1306 HILFE

Beitragvon Mone01 » 01.08.2015, 16:18

Hallo Gordon, vielen Dank für deine Antwort, das muntert mich jetzt eine bisschen auf :P
Ich habe nachgefragt: Der Motor lief bis zur Demontage....er ging immer nur nach 3 Minuten aus und nicht wieder an....
der Besitzer vermutete einen Defekt an der ESP oder verstopfte Leitungen und hat angefangen die Ölpumpe abzubauen, und jetzt ist sie halt nicht mehr aufzufinden... :cry:
Dann hat er den Kopf gleich runtergemacht und den Kolben raus.... der Kolben war bis auf ein paar kleine Riefen in Ordnung... nur nach der langen Standzeit und falschen Lagerung ist davon nix mehr zu retten....alles vergammelt und oxidiert, Ringe mittlerweile gebrochen.
Ich werde morgen Bilder machen und einstellen.
ABER: die Kurbelwelle kurbelt wie eine eins, hier sollte nix kaputt sein, kein erkennbares Spiel, kein hakeln, geht ganz leicht.....

Dann habe ich ja noch Hoffnung, dass wir das Teil über kurz oder lang wieder ans Laufen bringen, weil die Substanz ansonsten echt ok ist...


Viele Grüße

Daniel
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Re: D1306 HILFE

Beitragvon Rohoelzuender » 02.08.2015, 08:06

Hallo,

Zur Reinigung des Kurbelgehäuses kannst Du das mit Petroleum füllen, bis Oberkante. Fülle auch Petroleum in die kleine Ölbohrung oben auf dem Kurbelgehäuse, oben links in Fahrtrichtung. Hier gelangt das Motoröl von der Rille im Zylinder zum vorderen Kurbelwellenlager. Auch den hinteren Ölleitungsanschluss nicht vergessen, der zum hinteren Kurbelwellenlager führt. Er sitzt genau in der Mitte vom Kurbelgehäuse. Laß das Ganze eine Woche stehen und öffne dann den Ölablaßhahn unten am Kurbelgehäuse. Wenn nichts kommt ist der verstopft, wie fast immer wenn da Jahrelang nichts gemacht wurde. Dann mit einem dünnen Draht stochern bis es abläuft. Danach das Ganze nochmal kräftig mit Bremsenreiniger nachspülen, auch die Bohrungen im Kurbelgehäuse. Zur Konservierung nach dem Trocknen dann Motoröl links und rechts an das Pleuel geben. Es läuft dann unten in das Pleuellager. Kurbelwelle dabei drehen bis es sich verteilt hat. Motoröl auch in die Bohrung geben und an den hinteren Ölleitungsanschluss. Jetzt ist der Kurbeltrieb soweit konserviert bis zum späteren Zusammenbau und hat auch schon mal eine gewisse Schmierung beim ersten Start. Vor dem ersten Start gibt es sehr wichtige Dinge zu beachten die nicht in der Betrebsanleitung stehen. Wenn es soweit ist, einfach wieder melden. Den Ölablaßhan unten am Kurbelgehäuse bis zum ersten Start einfach offen stehen lassen. So kann überschüssiges Öl gleich unten Ablaufen und der Motor geht beim ersten Start nicht durch.

Ist denn der kleine Adapter zwischen der Ölpumpe und dem Regler noch da? Er wird Zwecks Montagehilfe nur ganz leicht gehalten mit einer Art Sprengring und sitzt auf der Ölerantriebswelle vom Regler. Diesen demontieren und auch den Sprengring gut aufheben und aufbewaren. Diese Teile gehen bei Reinigungs- und Montagearbeiten schnell verloren. Ohne sie läuft der Motor aber nicht lange.

Gruß Gordon
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Re: D1306 HILFE

Beitragvon Mone01 » 02.08.2015, 19:19

Hallo Gordon, ich stelle morgen Bilder ein....
dieser "Adapter", ist das ein kleines Teil mit Fräsungen auf beiden Seiten und einem Sprengring auf einer Seite ?
Den habe ich gefunden....
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Re: D1306 HILFE

Beitragvon Rohoelzuender » 03.08.2015, 09:24

Hallo,

Ja, dass sollte das Teil sein, etwa Fingernagel groß.

Gruß Gordon
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Re: D1306 HILFE

Beitragvon Mone01 » 04.08.2015, 07:38

Hier nun ein paar Bilder zur Ansicht: :D
Dateianhänge
k-DSCI3227.JPG
k-DSCI3225.JPG
k-DSCI3226.JPG
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Re: D1306 HILFE

Beitragvon Mone01 » 04.08.2015, 07:44

Und noch ein paar:
Dateianhänge
k-DSCI3215.JPG
k-DSCI3214.JPG
k-DSCI3213.JPG
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Re: D1306 HILFE

Beitragvon Mone01 » 04.08.2015, 07:47

und weiter gehts....
Dateianhänge
k-DSCI3223.JPG
der tote Kolben....
k-DSCI3224.JPG
k-DSCI3217.JPG
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Re: D1306 HILFE

Beitragvon Mone01 » 04.08.2015, 07:52

und der Rest:
Dateianhänge
k-DSCI3219.JPG
k-DSCI3221.JPG
k-DSCI3228.JPG
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Re: D1306 HILFE

Beitragvon Rohoelzuender » 04.08.2015, 18:13

Hallo,

Sieht doch noch super aus der 13 er. Keine großen Blessuren im Blech. Scheint soweit auch vollständig zu sein, bis auf die Ölpumpe. Der Kolben sieht schon heftig aus. Sieht man so auch bei den LT 85 D eher selten....

Gruß Gordon
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